Traumziel Lappland

Eine aufregende Reise mit zwei Hunden zum Polarkreis nach Nord-Schweden 22. Mai – 5. Juni 2015

 

1. Tag: Freitag, 22. Mai 2015

Nach einem ganz normalen Arbeitstag haben wir abends das Auto zu Ende bepackt und dann ging es nochmal auf die Couch, obwohl uns die Vorfreude fest im Griff hatte. Dies spürten natürlich auch unsere beiden Fellnasen (Emma und Frau Holle). Gegen 22:30 Uhr ging es dann endlich los in Richtung Fehmarn, dort kamen wir bereits um kurz nach 3 Uhr an und konnten die Fähre um 4 Uhr nehmen. Nach der Ankunft in Rödby fuhren wir noch knapp 50 km und gönnten uns dann eine kurze halbstündige (Schlaf-) Pause auf einem Rastplatz. Mit unseren beiden Vierbeinern hatten wir uns eh regelmäßige Pausen verordnet. Das kam nicht nur den Hunden zugute, denn auch für uns waren Bewegung und frische Luft immer wieder belebend und konzentrationssteigernd.

 

2. Tag: Samstag, 23. Mai 2015

Nach kurzem Schläfchen fuhren wir also weiter, ca. 2 Stunden bis Helsingor, um von dort mit der Fähre nach Helsingborg überzusetzen. Von dort ging es dann ohne Pause bis Jönköping, wo wir bereits zur Mittagszeit eintrafen. Glücklicherweise war unser Hotelzimmer (Comfort Hotel, empfehlenswert, gutes Frühstück) schon bezugsfertig, so dass wir erst mal ins Bett fielen. Doch nach knapp 2,5 Stunden zog es uns auch wieder raus aus den Federn. Beim Spaziergang durch die Stadt kam uns noch die Idee in den Stadtpark, der etwas oberhalb liegt, zu gehen. Dort befindet sich u.a. das örtliche Stadion „Stadsparksvallen“ von Jönköpings Södra IF, in dem auch zufällig das Ligaspiel gegen Athletic FC United stattfand. Da das Spiel schon begonnen hatte, war der Eintritt frei, so dass wir auch einen Blick ins Stadion werfen konnten. Danach folgte eine schöne Runde durch den Park, ehe wir es uns noch mal auf einem Felsen niederließen und den großartigen Ausblick auf den Vättern (zweitgrößter See Schwedens) genossen. Nach einem Abendessen im Sonnenschein auf einer Parkbank schauten wir noch ein wenig den ESC, bevor wir uns auf die nächste Etappe schlafenderweise vorbereiteten.

 

3. Tag: Sonntag, 24. Mai 2015

Nach einem leckeren und ausgiebigen Frühstück ging es gegen 8:30 Uhr für uns weiter gen Norden. Knapp 720km sollten es an diesem Tag werden. Ein recht entspannter Tag auf der Autobahn, wobei man um Stockholm dann fast deutsche Verhältnisse hatte. Ansonsten ist das Autofahren in Schweden einfach traumhaft und überhaupt nicht hektisch oder annähernd stressig. Am späten Nachmittag erreichten wir dann das Etappenziel Sundsvall an der Ostseeküste und nisteten uns im „Gaffelbyn Vandrarhem“ ein. Diese Unterkunft liegt etwas oberhalb von Sundsvall in einem Freiluftmuseum, welches wir direkt nach Ankunft erkundeten. Unsere beiden Hunde genossen sichtlich die Bewegungsmöglichkeit. Nach dem Spaziergang ging es zwecks Nahrungsaufnahme noch mal runter in die Stadt. Das Auto wurde ebenfalls für den nächsten Tag fit gemacht und etwas Proviant auch noch eingekauft. Die Nacht war leider nicht sehr erholsam, da einige Mitbewohner der Herberge sich auf den Fluren aufhielten und immer wieder laut zu hören waren und das die ganze Nacht hindurch. Schade, aber da muss man durch.

 

4. Tag: Montag, 25. Mai 2015

Die letzte Etappe zum Zielort stand nun auf dem Programm, für die restlichen knapp 650 km planten wir 8 Stunden ein. Und dabei blieb es glücklicherweise auch, so dass wir gegen kurz nach 15 Uhr an „unserer“ Hütte eintrafen. Auf den letzten etwas mehr als 20km fuhren wir nur noch Schotterstraße, links und rechts der Strecke lagen sogar noch Schneereste. Die Vegetation war noch komplett im Wintermodus und die Außentemperatur betrug 4,5°C. Die Unterkunft: „Blockhaus Jossa am See“ (www.lapplandreisetours.de) liegt etwa 1km außerhalb des 14 Einwohner zählenden Ortes Miekojärvi und ist sehr gut mit dem Auto erreichbar. Während Emma und Frau Holle schon mal das Haus erschnüffelten, packten wir erst mal in Ruhe das Auto aus und machten uns mit unserer Bleibe vertraut. Eine der Vermieterinnen schaute noch kurz vorbei und gab uns u.a. eine Einweisung in die Sauna. Dann erkundeten wir ein wenig die Umgebung, loteten aus, wo man gut Spazierengehen kann und natürlich zog es uns dann auch direkt ans Wasser. Wir hatten gehört, dass der riesige See sehr fischreich sein sollte und dies sollte sich auch umgehend bewahrheiten. Es hat keine 10 Würfe gedauert, da krachte es schon in der Rute, Wasser spritzte und der erste Hecht der Reise konnte gelandet werden und bescherte uns ein vorzügliches Abendessen.     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                

 

5. Tag: Dienstag, 26. Mai 2015

Am Morgen fuhren wir in den nächst größeren Ort Överkalix um Lebensmittel einzukaufen, Geld zu ziehen und sich einfach umzugucken. Zurückgekehrt ging es wieder auf Wanderschaft, so entdeckten wir u.a. einige Jagdhütten, jede Menge Elchlosung und einige Rentierskelette. Am Nachmittag wollten wir zum ersten mal das Ruderboot benutzten, aber die erste Ausfahrt war jedoch nicht von langer Dauer, da sich die werte Dackeldame mutig in die eisigen Fluten stürzte, so dass wir erstmal zurück zum Haus mussten, um sie aufzuwärmen. Naja, macht nichts, lustige Anekdote. Am Abend haben wir dann noch mal unser Glück vom Ufer aus versucht und wurden wieder innerhalb kürzester Zeit reichlich belohnt.

 

 

 

6. Tag: Mittwoch, 27. Mai 2015

Bei miesem Regenwetter setzten wir uns heute ins Auto um nach Övertorneo zu fahren und Finnland einen kleinen Kurzbesuch abzustatten. Auf der Fahrt dorthin überraschten uns ein paar Rentiere, die wie man es aus Dokumentationsfilmen her kennt, gemütlich die Straße bevölkerten. Im flussreichen Gebiet waren auf Grund der Schneeschmelze viele Bäche und Flüsse über die Ufer getreten, teilweise war das Wasser nur wenige Zentimeter von der Fahrbahn entfernt. Nach einer Regenrunde verkrochen wir uns in unser Holzhaus und machten es uns bei Kaminfeuer gemütlich.

 

7. Tag: Donnerstag, 28. Mai 2015

Da wir, wie so viele Angler auch, vom Lachsfang träumten, war ein Besuch des hochgepriesenen Jockfalls unumgänglich. Jedoch müssen wir sagen, dass dieser Ausflug als Enttäuschung einzustufen war. Schon auf dem Hinweg sahen wir am Touristenziel „Polcirkeln“, dass der Mensch eben keine Rücksicht auf seine Erde nimmt. Müll ohne Ende, ein trauriger Anblick. 5 Minuten später waren wir dann an dem berühmten 9m Wasserfall, auch hier herrschte eher Tristesse. Wir konnten ein paar Angler sehen, die ihr Glück versuchten, aber uns hat es da überhaupt nicht gefallen. Der Müll am Polarkreis war erst der Anfang, an den Unterständen am Jockfall war es nicht anders, als hätten einige Leute da wahre Sauforgien veranstaltet. Haufenweise leere Bierdosen und Schnapsflaschen, es roch nach Fäkalien etc. Auch das Jockfall-Center enttäuschte, an der Fischtreppe hingen noch Schilder mit Zahlen aus 2011-2012 und alles war etwas lieblos, ja schon heruntergekommen. Dafür konnte der Wasserfall mit den gewaltigen Wassermassen beeindrucken. Auch wenn die Angel-Tageskarte dort nicht teuer war, hatten wir den Entschluss gefasst, dort keinen Tag zu verbringen. Anscheinend werden die Einnahmen nicht sinngemäß ihrem Zweck zugeführt. Nach der Rückkehr zu unserer Hütte, ging es wieder auf Wandertour entlang unseres Sees. Es regnete in Strömen, aber irgendwie war das egal, denn auf einmal knallte die Sonne wieder, ein tolles Wechselspiel. Insgesamt muss man sagen, war das Wetter nichts für Sommer-Sonne-Strand-Typen, aber uns hat es gefallen. Die Höchsttemperatur war so um die 17,5° C tagsüber, nachts um die 4°C. Mücken und sonstiges nerviges Getier blieben uns somit erspart, wenn man zu einem anderen Zeitpunkt dort oben ist, muss es wohl anders zugehen. Am Abend zog es uns dann wieder zum See, wo erneut der Uferberich abgefischt wurde. Dadurch dass der Schnee gerade erst geschmolzen war, führten Seen und Flüsse entsprechendes Hochwasser. So standen die üblichen Uferbereiche und Schilfgürtel teilweise unter Wasser, diese wurden gezielt nach Hecht abgesucht und erneut belohnt. In knapp 2 Stunden folgten 13 Bisse. Im Vergleich zum heimischen Altrheinarm, wahre Sternstunden der Angelei. Natürlich wurde nicht jeder Fisch entnommen, im gesamten Zeitraum landeten 4 Hechte und 1 Barsch auf dem Teller, der Rest schwimmt wieder. Die Hechte waren maximal 90cm groß, die Größeren gibt’s wohl nur vom Boot weiter draussen. Aber dafür war teilweise das Wetter, somit der Wellengang mit dem Ruderboot nicht zu bewältigen. Ausserdem waren wir ja nicht nur zum Angeln da, wir wollten ja schließlich auch Zeit abseits des Wassers verbringen.

 

8. Tag: Freitag, 29. Mai 2015

Wir hatten noch von einem anderen Wasserfall, dem Linafell, gelesen und somit stand nach der Jockfall-Enttäuschung fest, dass wir da auch hinfahren werden. Der Weg war mehr als umständlich, aber dafür abenteuerlich und somit unvergesslich. Auf etwa 14km mussten wir eine unbefestigte, einspurige und schlammige Straße befahren, aber es hat sich gelohnt. Schon obligatorisch kreuzte unseren Weg eine Rentierherde, welche auch eine ganze Zeit vor uns her lief. Nach etwa einer halben Stunde kamen wir zu einem Schotterplatz, von wo aus eine scheinbar nie endende Holztreppe hinunterführte. Man hörte schon das Tosen der Wassermassen und als wir die Treppen hinabstiegen, sahen wir das beeindruckende Naturschauspiel. Dieser Fall war noch beeindruckender, da mit 16m Höhenunterschied auch gewaltiger. Zufällig entdeckten wir oberhalb eine Hängebrücke von welcher man die Kraft der Fluten spüren konnte. Auf der Rückfahrt kreuzten dann urplötzlich zwei Elche gute 50 Meter vor unserem Fahrzeug die Schotterpiste, aber so plötzlich wie sie kamen, waren sie auch wieder im Dickicht verschwunden. Wir hatten leider keine Chance für ein Foto, aber es sollte sich noch anderweitig die Gelegenheit ergeben.

 

9. Tag: Samstag, 30. Mai 2015

Die Lichtverhältnisse waren unbeschreiblich, es wurde mittlerweile nachts nicht mehr dunkel, man hatte somit kaum Gefühl für die Zeit. Die Natur ist in den wenigen Tagen, wo wir da waren, förmlich explodiert. Die Knospen an den Bäumen entwickelten sich blitzschnell zu Blättern, Sträucher und Gräser überwucherten die Wege, die zwei, drei Tage vorher noch problemlos zugänglich waren. So etwas haben wir zuvor noch nie erlebt und war mehr als beeindruckend.

 

10. Tag: Sonntag, 31. Mai 2015

In der Nacht von Samstag auf Sonntag zog es uns wieder einmal ans Wasser, so dass wir Zeuge eines einzigartigen Farbspiels wurden. Angeln von kurz vor Mitternacht bis ca. 2:30 Uhr kann so toll aussehen:

 

Nach dem schönen Nachtangelerlebnis folgte jedoch wieder ein Regentag, der uns aber nicht davon abhielt, wieder über Stock und Stein die Wildnis zu erkunden.

 

11. Tag: Montag, 1. Juni

Am vorletzten Tag vor Ort wollten wir nochmal etwas die Gegend erkunden und uns einige Empfehlungen für touristische Ziele anschauen. Das Traktormuseum war schon sehenswert, gerade wenn man einen eigenen alten Hof zuhause hat. Neben den Traktoren wusste auch die Sammlung an alten Motorsägen zu gefallen. Hier kann man auf jeden Fall mal vorbeischauen. Das Ausflugsziel „Brännaberget“ wird vielfach als der Aussichtspunkt schlechthin beworben, mutiert aber mittlerweile zum Schandfleck. Keine Frage, die Aussicht über Överkalix und die sich vereinenden Flüsse Kalix und Ängesan ist beeindruckend, aber die Örtlichkeit verfällt leider immer mehr, da Stadt und Besitzer/Investor sich uneins sind.

12. Tag: Dienstag, 2. Juni 2015

Wir verabschiedeten uns am Nachmittag noch bei unseren Vermieterinnen und packten soweit alles zusammen. Am Abend zog es uns noch mal runter an den See um Abschied zu nehmen. Nach ein paar Würfen erfolgte noch keinen Biss, so dass wir und erstmal in Ruhe auf einem Birkenstamm niederliessen und das Erlebte der vergangenen Tag Revue passieren liessen. Ein Moment voller Demut und Dankbarkeit, dass uns die Natur ein solch tolles Erlebnis und schöne Momente beschert hat. Als Zeichen des Himmels deuteten wir dann den tollen Barsch von 38cm und 850gr im letzten Wurf.

 

13. Tag: Mittwoch, 3. Juni 2015

Wir hatten uns für diesen Tag wirklich viel vorgenommen, über 1200km mussten absolviert werden und dann noch die Hundepausen einkalkulieren, uns stand also ein langer Tag im Auto bevor. Um 5 Uhr in der Früh machten wir uns auf den Weg, einerseits mit der Freude auf den heimischen Hof, andererseits mit ein wenig Wehmut diesen wunderbaren Ort wieder verlassen zu müssen. Der Abschied fiel noch schwerer, als wir einen Polarfuchs erblickten und uns kurze Zeit später auch noch eine Elchkuh mit zwei Jungen ein tolles Abschiedsfoto bescherten. Es war das erste Mal, dass wir wildlebende Elche fotografieren konnten, und das knapp 20 Meter vom Auto entfernt, Wahnsinn!

Der Tag verlief ansonsten recht ereignislos, aber durch die regelmäßigen Pausen nahm man die 14 Stunden Fahrt nicht so wahr. Am frühen Abend erreichten wir unsere Bleibe, ein nettes B&B (Bjalbo-Gasthus) ca. 15 Minuten abseits der Autobahn. Die Unterkunft gehörte zu einem Bauernhof und war liebevoll im alten Landhaus-Stil eingerichtet. Die Gastgeberin war herzlich und hatte selbstgebackenen Kuchen und Brot bereitgestellt. Mit unseren Hunden erkundeten wir am Abend noch die kleine Bauernschaft um ihnen auch trotz der langen Fahrtzeit gerecht zu werden.

 

14. Tag: Donnerstag, 4. Juni 2015

Um möglichst früh wieder zuhause zu sein, meldete sich der Wecker auch dementsprechend. Kurz geduscht, herrlich gefrühstückt in diesem wundervollen B&B und los ging’s. Knapp 3,5 Stunden bis Helsingborg vergingen wie im Flug, dann wieder die Fähre nach Helsingor, Weiterfahrt nach Rodby und mit der Fähre nach Puttgarden. Deutschland hatte uns wieder. Nun nur noch etwas mehr als 500 km bis in die Heimat. Aber auch die wurden problemlos abgespult und somit endete unsere traumhafte Reise gegen 20 Uhr wieder zuhause. Es fühlte sich vollkommen unwirklich an und man konnte sich nicht vorstellen, noch vor wenigen Tagen ganz irgendwo anders gewesen zu sein. Der Kilometerstand hat sich bei über 5300km eingependelt, das Urlaubskonto ist nun erst mal wieder leer, aber beim Schreiben dieser paar Zeilen wächst die Gewissheit, noch nicht genug vom hohen Norden gesehen zu haben.

 

Info:

Bei der Internetrecherche zu unserem Zielort bitte beachten, dass hier vom Ort „Miekojärvi“ die Rede ist, welcher ebenfalls Namensgeber für den riesigen See ist. Achtung: In Finnland gibt es ebenfalls einen See gleichen Namens!

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